Stiefvater
Mein Stiefvater war extrem streng, kontrollsüchtig und machthungrig. Ich durfte fast gar nichts – keine Privatsphäre, keine Freiheit. Er bestimmte alles. Ich durfte nicht mit Jungs sprechen, durfte nach der Schule nicht draußenbleiben, musste mich bedeckt kleiden. Zu Hause wurde ich ständig kontrolliert – sogar mein Tagebuch hat er gelesen. In der Schule hatte ich mir deshalb mit zwei anderen Mädchen ein Schließfach geteilt, um persönliche Dinge zu verstecken. Einmal sollte ich den Koran lernen – als ich mich weigerte, musste ich mit nackten Knien auf getrockneten Erbsen knien und bekam mit dem Stock auf die Fingerspitzen geschlagen. Es ging ihm nie um Erziehung – es ging um Kontrolle und Macht.
Als ich klein war, wurde ich zu Hause regelmäßig geschlagen. Ich erinnere mich an eine Situation, da war ich vielleicht fünf oder sechs Jahre alt. Mein Onkel, der unter uns wohnte, sollte auf mich aufpassen, weil meine Eltern unterwegs waren. Auf dem Tisch stand eine Colaflasche – ich wusste nicht, dass darin Whisky war. Ich habe mir ein Glas eingeschenkt und davon getrunken, weil ich dachte, es sei Cola. Mein Onkel hat das meinem Stiefvater erzählt. Und dafür wurde ich schwer bestraft – ich wurde geschlagen, als hätte ich etwas Schreckliches getan. Das war nur eine von vielen Situationen, in denen ich als Kind keine Sicherheit, sondern Gewalt erfahren habe.
Diese frühen Erfahrungen haben mich lange geprägt. Ich habe mir später unbewusst Menschen in mein Leben geholt, die mir ähnlich wehgetan haben – weil ich es nicht anders kannte. Es war ein Kreislauf, den ich erst viel später erkannt habe. Heute, nachdem ich das erkannt habe, treffe ich eine andere Wahl.