Fußball

Deine Hand.

Sie sollte zeigen, lehren, führen. Sie sollte uns Kindern das Spiel erklären, uns beibringen, wie manzusammenarbeitet, wie man stärker wird.Doch deine Hand zeigte nicht. Sie nahm.Sie lag auf meinem Oberschenkel, wanderte, suchte, fand.

​Ich war neun. Ich verstand kaum die Sprache dieses Landes, aber ich verstand, dass ich still sein musste. Dass ich gehorchen musste.

​Deine Stimme klang freundlich, wie immer. Deine Worte klangen wie Lob. Deine Augen lächelten. Aber deine Hand sagte etwas anderes. Sie zog mich auf deinen Schoß, während du mir Erklärungen zuflüstertest, die nichts mit Fußball zu tun hatten. Ich konnte mich nicht bewegen. Ich wusste nicht, wie man sich wehrt. Ich wusste nur, dass ich es niemandem sagen durfte. Dass ich mich schämte. Dass meine Eltern nicht wissen durften, was mit mir geschah. Denn ich hatte Angst, dass ich wieder bestraft werde. Dass ich wieder Schläge bekomme. Dass ihre Hände mich für das schlagen würden, was deine Hände mir angetan haben.

Und dann, in deiner Wohnung, mit den Fotos als Vorwand, hast du den Bademantel geöffnet. Deine Hand streckte sich nach mir aus, als wäre ich dein Besitz, als hätte ich nie etwas anderes sein sollen.

Deine Hand.
Ich kann sie immer noch fühlen.Aber ich
bin nicht mehr neun. Ich bin nicht mehr klein.
Ich bin nicht mehr stumm.

Und wenn du heute vor mir stehen würdest, mit deiner Hand, mit deinem falschen Lächeln, mit deiner vertrauten Freundlichkeit - dann würde ich dir ins Gesicht sagen:

​Ich erinnere mich - Ich wollte doch einfach nurFussball spielen.