Lebenswille

Ich komme aus der Hölle des Lebens. Ich  habe von frühester Kindheit an unvorstellbare Körperliche und Seelische Qualen mit Todesangst  aushalten müssen. Ich  hatte niemanden der mich tröstete oder gut zu mir war. Ich musste lernen meinen Schmerz, meine Angst, mein Leid, meine Einsamkeit selbst auszuhalten, mich selbst zu trösten und ums nackte Überleben zu kämpfen.
Ich konnte das alles nur aushalten, indem ich in viele Einzelteile zerfiel ( eine sogenannte Dissoziative Störung). Ich habe kein Identitätsgefühl entwickeln können, mein Körper hielt all die Qualen aus, aber ich habe außerhalb meines Körpers überlebt. Ich fühlte mich wie Dreck, weil man mir nichts anderes beibrachte. 

Dissoziative Störung heißt vergessen und abspalten können, um alles auszuhalten.
Es heißt aber auch, kein Gefühl für irgendwas zu haben. Raum- und Zeitverlust.
Erstarrt verharrt überlebte ich, in innerer Dunkelheit und Todesangst, unfähig, meinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Doch  der innere Schmerz war immer spürbar und so lebte ich Sucht und verletzte  mich selbst, wusste ich doch, dass ich dann jeden Schmerz aushalten kann.

Und doch war der Wunsch nach einfach leben immer da.

Viele Jahre verbrachte ich unfreiwillig eingesperrt in der Psychiatrie. Mir wurde nicht geglaubt, wie auch durfte ich doch eh fast nichts sagen.
Ich fühlte mich wie Dreck und doch wollte ich leben. Ich kämpfte einen langen harten Kampf.
Mit 32 Jahren hörte ich zum ersten Mal in meinem Leben von jemandem, dass ich was wert bin.
Eine Flamme in mir wurde entzündet.
Jeder braucht Menschen, die an ihn glauben.
Ich begann noch mehr zu arbeiten und mir passende Hilfen zu suchen, auch wenn ich noch zum Schweigen verdammt war.
Und je mehr ich an mich glaubte, umso mehr fand ich Menschen, die mir glaubten.
Ich konnte aufhören Sucht zu leben und stellte mich meinen traumatischen Themen.
Ich kam vom Überleben in „das Leben üben“und später ins Leben.
Ich konnte mich in meinem Misstrauen zu Menschen nur darauf einlassen, indem ich mir sagte es sind Medikamenschen.

Seit ca.10 Jahren darf ich endlich die Wahrheit erzählen. Ich  arbeite hart. Endlich lernte ich zu fühlen und meine Seelensplitter einzusammeln, um mehr in mir zusammen zu rücken.
Vor allem habe ich begriffen, dass ich, wenn ich lebendig werden will, alle Gefühle annehmen lernen muss. Ich  kann nicht nur Freude etc empfinden, wenn ich mir nicht Tränen erlaube.
Ich suche und finde mich immer mehr. Viele Jahre sind vergangen und erst seit einem Jahr beginne ich eine Verbindung zu meinem Körper zu schaffen.
Seitdem verstehe ich viel mehr, was ich überstanden habe. Erst jetzt wächst alles mehr zusammen und ich bekomme ein besseres Ich-Gefühl.
Ich bin dankbar den Menschen gegenüber, die mir halfen, aber auch denen, die mir nicht gut taten, denn an denen bin ich auch gewachsen.
Aber vor allem habe ich tiefe Dankbarkeit mir und dem Schöpfer meiner unendlichen Lebenskraft gegenüber. Ich spüre viel mehr Achtung und Verständnis und Würde mir gegenüber. Ich habe viel gelernt und verstanden und dieses Wissen möchte ich weitergeben.

Ich möchte anderen Mut machen, es gibt Hilfe und Wege, gebt nicht auf.
Ich habe es geschafft, dann schaffen es andere auch.

Ich bin noch da.

Hier bin ich, Leben