Warum
Tag Drölfzigbillionen:
Ich höre ein Mädchen schreien. Sie liegt auf dem Boden. „9, 14, 17“, ruft sie, während Tränen ihr Gesicht herunterlaufen. Sie schreit lauter. „Warum hast du mir das angetan?“
„Womit habe ich das verdient?“
„Warum dachte er, dass er das darf?“
„Warum hat er es getan?“ „Ich verstehe es nicht!“ Ich möchte ihr helfen. Ich möchte ihr sagen, dass alles gut wird. Dann sehe ich Rettungskräfte und bekomme Angst. Sie können sie nicht mehr retten. Niemand kann sie noch retten. Das Mädchen wird leiser.
Dieses Mädchen bin ich, vielleicht aber auch nicht.
Nicht mehr. Ich bin nicht mehr leise und konnte gerettet werden. Gerettet wurde ich nicht vom Rettungsdienst, sondern von mir selbst und durch starke Unterstützung anderer. Mehrere Jahre war ich von schwerer sexualisierter Gewalt betroffen. Durch diese Gewalt verlor ich alles. Besonders mich selbst.
Da die sexualisierte Gewalt schon in meiner Kindheit begann, kann ich nicht sagen, wer ich ohne diese Gewalt und anschließende Arbeit an und mit mir selbst geworden wäre. Was ich sagen kann, ist, dass mich erst ein Familienmitglied und später andere Männer aus meinem Umfeld schwer misshandelt haben. Auch sagen kann ich, dass ich heute weiß, dass ich stark und mutig bin und dass ich Würde besitze, die mir niemand nehmen darf.
Heute bin ich kein Kind mehr. Ich bin erwachsen und darf mich um mich selbst kümmern. Durch die Arbeit als Erzieherin darf ich täglich lernen, dass Kindheit unbeschwert sein darf und sollte.
Was mir geholfen hat: Sprechen!