Glück

Meine Geschichte - Zwischen Schmerz und überleben

Ich erzähle diesen Abschnitt meines Lebens nicht, um Mitleid zu bekommen. Sondern, weil ich so lange geschwiegen habe.
Es ist die Geschichte einer jungen Frau, die viel zu früh lernen musste, was Schmerz bedeutet und die trotzdem nie ganz aufgehört hat zu kämpfen.
Mit 19 lernte ich einen Mann kennen, 11 Jahre älter. Ich suchte Halt, Liebe, das Gefühl, gesehen zu werden. Stattdessen fand ich jemanden, der mich manipulierte, entwertete und Stück für Stück zerstörte. Wir bekamen einen Sohn, mein größtes Geschenk. Ich liebe ihn über alles. Doch selbst er wurde Teil seines Spiels, ein Werkzeug, um mich kleizuhalten.
Alles, was ich tat, wurde infrage gestellt. Hilfe gab es nur unter Drohungen. ,,Ich habe dir geholfen - jetzt gehörst du mir."
Ich war allein. Niemand glaubte mir. Nicht einmal die Behörden. Sie glaubten ihm. Heute lebt mein Sohn bei seinem Vater. Er hat mit unfairen Mitteln gespielt und ich habe
verloren. Nicht nur mein Kind, auch mein Vertrauen: in Menschen, in Gerechtigkeit, in mich selbst. Vielleicht war ich das schon gewohnt. Mit zwei Jahren wurde ich in ein fremdes Land zu fremden Menschen geschickt. Bis ich sechs war, kannte ich kein Zuhause, keine Nähe nur das Gefühl: Wenn man still ist, darf man vielleicht bleiben.

Zurück in Deutschland lernte ich Gewalt kennen. Ich musste zusehen, wie meine Mutter geschlagen wurde und selbst spüren, was Schmerz heißt. Mein Stiefvater konnte mich nie akzeptieren. Ich war nicht sein Kind. Und wenn ich mich äußerte, wurde ich zum Problem. Es wurde mit Wut beantwortet. Mit Schweigen. Mit Gewalt.
Ich habe alles versucht, es allen recht zu machen. Aber es hat nie gereicht. Also habe ich irgendwann aufgehört. Und gleichzeitig nie ganz. Ich wollte dazugehören. Geliebt werden. Gesehen werden. Doch ich verlor mich selbst. Meinen Sohn. Und den Glauben daran, dass mein Leben je besser werden könnte.
Ich habe viele Therapien gemacht. Gelesen. Gehofft. Die Wunden sitzen tief. Ich bin erschöpft. Ich gebe, bis nichts mehr übrig ist. Und wenn ich doch mal spreche, wenden sich Menschen ab. Also schweige ich wieder. Ich habe fast akzeptiert, dass es für mich kein Glück gibt. Keine Nähe. Keine Liebe. Ich ziehe immer wieder Menschen an, die mir nicht guttun als müsste ich mir Liebe verdienen.
Aber weißt du was? Ich bin nicht perfekt. Aber ich bin echt. Und ich bin immer noch hier.
Ich schreibe diesen Text, weil ich nicht mehr schweigen will. Weil meine Geschichte zählt. Auch
wenn ich zweifle, falle, zurückweiche ich bin eine Kämpferin geworden.
Ich wünsche mir, dass wir wieder hinsehen. Denn wir sind keine Marionetten. Wir sind

Menschen. Mit Schmerz. Mit Sehnsucht. Mit einem Herzen, das immer noch schlägt obwohl es schon so oft gebrochen wurde.
Vielleicht ist genau das meine Stärke. Denn trotz allem: Ich bin noch da. Ich atme. Ich schreibe. Ich spreche. Und mit jedem Wort hole ich mir ein Stück von mir zurück. Heilung ist kein gerader Weg. Aber jeder neue Tag ist ein kleiner Akt des Mutes. Manchmal ist „Ich stehe auf" schon ein Sieg. Ich habe vielleicht das Vertrauen in vieles verloren aber nicht in die Hoffnung, dass Veränderung möglich ist.
Und vielleicht wartet irgendwo jemand, der mich sieht, wie ich bin: Mit Narben. Mit Geschichte. Aber mit offenem Herzen. Ich weiß nicht, wie mein Weg weitergeht. Aber ich gehe ihn weiter. Schritt für Schritt. Und das allein -
ist schon ein Wunder.